Ich hatte fast vergessen, wie gut es tut, wenn andere Menschen eine andere Meinung haben und ich trotzdem in Kontakt bleibe. Zuhören, neue Argumente, Empathie – war manchmal anstrengend. Und manchmal merkte ich, dass ich bei Themen doch nicht so gut informiert war, wie ich dachte. Ansporn für die Zukunft.

Ehrlich sein: Es ging in einer Diskussion um Kultur, Documenta und Berlinale, es ging um Antisemitismus. Die üblichen Argumente. Irgendwann mitten im Satz hörte der jüdische Pianist Igor Levit auf zu sprechen. Schweigen. Stille. Nachdenklichkeit. Manchmal sagt eine Geste mehr als 1000 Worte.

Die Wörter
“wir”, “einfach” und “immer” in Vorträgen zu hören, löste bei mir ein Störgefühl aus. Erster Reflex: Ne, das ist komplexer. Und darf auch sein.

Präsent sein: Michel Friedmann war brillant vorbereitet, er schaffte es als Moderator, dass Bühnenprofis wie Prof. Dr. Alena Buyx und die Linken-Co-Chefin Heidi Reichinnek ihre üblichen Rollen aufgaben. Er wollte keinen Streit, er wollte Erkenntnis. So wurde ein konstruktiver Dialog möglich.

Konstruktiv, das macht auch was mit den Zuschauern: Manchmal saß ich neben Menschen, die eine andere politische Haltung hatten. Und dann im Talk merkte ich, da löst sich was. Es zählte nicht mehr die Meinung aus der Komfortzone, sondern das Argument auf der Bühne. Meinen Applaus bekam, wer zuhörte, gut argumentierte, sich selbst spürte. Und wenn das Leute neben mir auch machten, fühlte ich Verbundenheit.

Vertrauen schafft Sicherheit. So lässt sich meine Zeit zusammenfassen. War auch die Erkenntnis eines Vortrags des Wissenschaftlers André Frank Zimpel Jeder Mensch ist anders. Deshalb ist es wichtig, andere Menschen mit ihren individuellen Sorgen und Nöten zu sehen. Ihnen zuhören, Fragen stellen. Mit Vertrauen kommt dann Sicherheit, sich selbstbewusst und selbstbestimmt in dieser Welt bewegen zu können. So habe ich den Vortrag ganz am Ende der Konferenz verstanden.

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